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By bye Böhlen!

Nach 30 Jahren hat die Thüringische Sommerakademie in Böhlen ihren Betrieb endgültig eingestellt und ist in dem kleinen Bergdorf zwischen Rennsteig und Schwarzatal zukünftig nicht mehr präsent. Die neuen Eigentümer der ehemaligen Fabrikgebäude wollen aber mit einem ähnlichen Konzept weitermachen.

Mit der Thüringischen Sommerakademie verabschiedet sich nicht nur eines der ersten Mitglieder der LAG Soziokultur Thüringen, sondern auch eine Kulturinstitution, die das kulturelle Leben in Thüringen nach 1990 wesentlich mitgeprägt hat. Kunstschaffende und Besucher*innen haben in zahllosen Kursen und Veranstaltungen diesen verwunschenen Ort erleben dürfen. Durch die Sommerakademie kamen Kunst und Kultur, junge Menschen, ungewohnte Begegnungen und neue Einflüsse in das abgeschiedene Thüringer-Wald-Dorf.

Die erste Sommerakademie fand 1992 statt. Dafür wurden die Gebäude einer ehemaligen Fabrik genutzt, in der über Generationen Holz- und Glasartikel hergestellt wurden. Seitdem fanden hier jährlich in den Sommermonaten Kurse, Workshops und Veranstaltungen zu Malerei, Druckgrafik, Bildhauerei, Theater oder Literatur statt. Darüber hinaus konnten auch externe Künstler*innen und Gruppen die Räume ganzjährig als kreativen Arbeitsort nutzen.

Schon 1993 kamen die Internationalen Kammermusikwochen hinzu. Fortan trafen sich jedes Jahr im August ausgewählte Musikstudierende und junge Meisterensembles aus zahlreichen Ländern in Böhlen, um mit bekannten Solisten und erfahrenen Professoren als Partner gemeinsam ein umfangreiches Repertoire einzustudieren und in mehreren Konzerten aufzuführen. Diese fanden nicht nur in der Dorfkirche, sondern bald auch als Gastspiele z.B. in Rudolstadt, Weimar, Erfurt, Arnstadt bis hin nach Bayern statt. Mehrere CD-Aufnahmen dokumentieren diese außergewöhnlichen und überregional beachteten Veranstaltungen.

Bereits 1997 wurde die Thüringische Sommerakademie für ihr außergewöhnliches Programm und ihr herausragendes Engagement im ländlichen Raum mit dem Thüringer Kulturpreis ausgezeichnet.

Hinter der Sommerakademie stand von Anfang an der aus dem Ort stammende Musiker Christoph Goelitz. Er hat seit der Gründung die Geschicke der Kultureinrichtung gelenkt und war fast zwei Jahrzehnte auch Vorstandsvorsitzender der LAG Soziokultur Thüringen. Kompetent und ideenreich, gern auch streitbar, aber immer konstruktiv, hat er so die kulturpolitische Entwicklung in Thüringen mitgeprägt.

Den beruflichen Ausstieg der Gründergeneration zu bewältigen ist für viele Kultureinrichtungen nicht einfach. In Böhlen ist der Generationenwechsel trotz jahrelanger Bemühungen – und eines nochmal hoffnungsvollen Ansatzes im Jahr eins der Corona-Pandemie – letztlich leider nicht geglückt. Im vergangenen Jahr hat die Thüringische Sommerakademie ihren Betrieb endgültig eingestellt.

Neue Eigentümer haben die Grundstücke im Herbst 2021 übernommen und wollen den Fabrikhof mit einem ähnlichen Konzept weiterführen. So soll es weiterhin künstlerische Kurse geben, auch Übernachtungen und Gruppenaufenthalte sollen möglich sein. Sicher wird manches anders werden. Aber es gibt die berechtigte Hoffnung, dass der ehemalige Ort der Sommerakademie in Böhlen weiterhin so bleibt wie eine Künstlerin ihn vorzeiten mal beschrieben hat: "Hier ist Raum. Ohne Ablenkung oder Aufgeregtheit. Einfach, ruhig, besonders und echt."

» Einen kleinen Einblick in 30 Jahre Thüringische Sommerakademie gibt es unter: www.sommer-akademie.com/archiv

» In Zukunft ist der Fabrikhof erreichbar unter: www.fabrikhof-boehlen.de

» Die Thüringische Sommerakademie im Thüringer Soziokultur-Reiseführer: www.kulturschrittmacher.de/das-besondere-geheimnis-der-insel

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