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Strukturelle Hürden bei Mikroförderprogrammen
Die kürzlich vom Stifterverband veröffentlichte Studie "Kleine Summen, große Hilfe? Die Bedeutung von Mikroförderung für zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland" zeigt, wie essenziell kleine finanzielle Hilfen für das lokale Engagement angesichts knapperer öffentlicher Kassen sind. Um die Nutzung dieser Programme zu verbessern, müssten jedoch die Beantragung und Abrechnung vereinfacht und deren Sichtbarkeit erhöht werden.
Mikroförderprogramme, bei denen kleinere Beträge bis zu 5.000 Euro beantragt werden können, sind an der Basis der Zivilgesellschaft immens gefragt. Knapp 40 Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland nutzen dieses Instrument bereits, um ihr lokales Engagement niedrigschwellig zu stärken. Die Studie von ZiviZ im Stifterverband und der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) zeigt nun erstmals bundesweit, wie diese Mittel eingesetzt werden und wo es noch hakt.
Die wichtigsten Ergebnisse der Fördermittelstudie im Überblick
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Wofür das Geld fließt: Meistens werden Mikroförderungen für konkrete Anschaffungen wie Laptops oder Materialien (60 Prozent) sowie für die Durchführung von Veranstaltungen (45 Prozent) genutzt.
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Wer fördert: Bei der Vergabe spielen lokale und regionale Akteure wie Bürger- oder Sparkassenstiftungen mit fast 73 Prozent die Schlüsselrolle, ergänzt durch landes- und bundesweite Förderinstitutionen, wie Landesministerien, die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt oder die Aktion Mensch e.V.
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Die Hürden: Fast drei Viertel (73 Prozent) der Organisationen, die keine Mikroförderungen nutzen, wissen schlicht nicht von den Angeboten. Wer sie nutzt, klagt über die Bürokratie: Der zeitliche Aufwand für Antrag und Abwicklung liegt bei vier bis zehn Stunden (bis zu einem Arbeitstag).
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Der Wunsch nach mehr: Wohl auch aufgrund des Aufwands favorisieren 43 Prozent der Befragten Förderhöhen am oberen Rand (4.000 bis 5.000 Euro). Kleinstbeträge unter 500 Euro werden kaum als ideal betrachtet.
Handlungsempfehlungen für die Praxis
Aus den Ergebnissen leitet die Studie konkrete Handlungsempfehlungen für drei Akteursgruppen ab:
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Förderinstitutionen sollten strukturelle Hürden abbauen und mehr Raum zum Experimentieren geben. Das gelingt durch den Verzicht auf kleinteilige Einzelnachweise zugunsten von Pauschalen, die Erlaubnis zur Mehrfach- und Überjahresförderung sowie durch alternative Berichtsformate. Zudem muss die Sichtbarkeit der Programme erhöht werden.
- Fördermittelberatungen müssen viel aktiver als Lotsen in Erscheinung treten. Sie sind der Schlüssel, um rein ehrenamtliche Initiativen, die oft nur über Zufallskontakte von Töpfen erfahren, systematisch aufzuklären und durch den Antragsprozess zu navigieren.
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Fördersuchende Organisationen sollten systematische Recherchewege etablieren, lokale Beratungsangebote nutzen und durch Kooperation und Erfahrungsaustausch mit anderen Vereinen den eigenen Aufwand deutlich reduzieren.
