Zwischen Tradition und Moderne
creole_klFinalkonzerte zum Mitteldeutschen Creole-Wettbewerb am Freitag und Samstag in Jena
Von OTZ-Redakteurin Ulrike Kern Zwei Jahre ist es her, dass zum ersten Mal ein bundesweiter Wettbewerb für globale Klänge ins Leben gerufen wurde. Hauptsächlich um festzustellen, welche Weltmusik-Bands es hierzulande überhaupt gibt, und um ein Netzwerk aufzubauen. Der Zuspruch war enorm. 500 Gruppen bewarben sich im ersten Durchlauf. Deshalb soll die Creole als Weltmusik-Grammy künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgelobt werden. Doch dem zweiten Bundesausscheid im September 2009 sind zunächst regionale Wettbewerbe vorangestellt.

Für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat sich der Arbeitskreis "Creole Mitteldeutschland" als Veranstalter gegründet, bei dem in diesem Jahr 35 Bewerbungen eingegangen sind. Zehn davon hat eine Jury in das Kassablanca nach Jena eingeladen, wo sie diesen Freitag und Samstag, jeweils ab 21 Uhr ihre Musik präsentieren dürfen. Nur 20 Minuten wird ein Auftritt dauern, und die Öffentlichkeit ist herzlich dazu eingeladen. Eine Jury bewertet daraufhin Musikalität, Originalität, Innovation und Gesamterscheinung und schickt die besten Zwei weiter nach Berlin. Zusätzlich winken am 5. und 6. Dezember in Leipzig und Magdeburg zwei Preisträgerkonzerte.

Die stilistische Bandbreite der Finalrunde in Jena verspricht eine enorme künstlerische Vielfalt von der klassischen Musik am Zigeunerlager über arabische Rhythmik mit Trance-Sound bis hin zu avantgardistischen Klangtheorien. So vielfältig also, wie auch der Begriff "Weltmusik" zu fassen ist: "Das ist moderne Musik mit ethnischen Anteil - woher auch immer", versucht Ulrich Doberenz, künstlerischer Leiter der mitteldeutschen Creole, zur gestrigen Presskonferenz eine lockere Definition.

OTZ 29.10.2008
 
Ordentlich Rambazamba
Jena. (tlz) Die Lokalmatadoren lagen am Ende vorn, gemeinsam mit den weit gereisten Dresdnern: Feindrehstar aus Jena und LuaMar aus Dresden heißen die beiden Sieger im Wettbewerb um die "creole" - Weltmusik aus Mitteldeutschland.

Beide überzeugten an zwei spannenden Konzertabenden mit zehn Bands Publikum und Jury im Jenaer Kassablanca. Die Gewinner erhalten die mit je 2000 Euro dotierten Preise sowie eine Einladung für den bundesweiten Wettbewerb, zu dem auch die Gewinner aus den anderen sieben "creole"-Regionalwettbewerben im September 2009 in Berlin aufspielen werden.

Laut Begründung der Jury begeisterten Feindrehstar durch mitreißenden Groove auf hohem musikalischem Niveau. "Das schwer jazzige Oktett aus Jena filtert aus aller Musik, derer es habhaft werden kann, gnadenlos die Essenzen heraus, die ihm schmackhaft erscheinen. Daraus kochen sie dann ihr eigenes Süppchen", heißt es in der Begründung. Heraus komme ein Sound, den die Band ganz einfach mit HipHop-Jazz-House-Funk-Worldmusic beschreibe. Feindrehstar versprechen kein abgehobenes Kunsterlebnis, dafür ordentlich Rambazamba.

TLZ | 03.11.2008

 
Improvisation mit Phantasiesprache
little_tongue_vibrationMisa-Michaela Holubova
Das Little Tongue Vibration Orchestra
Von Ulrike Kern "Wenn man sich in der Musik fallen lässt, sich völlig der Improvisation hingibt, dann spielt die Sprache keine Rolle mehr. Dann sprudeln Laute, Töne, Silben aus einem heraus", beschreibt Misa-Michaela Holubova den Stil des thüringisch-sächsischen "Little Tongue Vibration Orchestras", das ebenfalls zu den Finalisten des Creole-Wettbewerbs am Wochenende zählt.

Das sechsköpfige Ensemble, deren Sängerin und einzige Frau in der Truppe die gebürtige Tschechin und Wahljenaerin ist, bedient sich verschiedenster Stile, es fließen Elemente aus allen Kontinenten ein. Sie verknüpfen Trance, Drum´n´Bass und Techno mit arabischen und asiatischen Rhythmen. Dazu kommen Instrumente wie Shruti-Box, Didgeridoo, Waldsitar, Tabla, Maultrommeln und vielstimmiger Gesang meist in Phantasiesprache. "Wir lieben die verlorenen gegangenen Folk- und Ritualinstrumente und bedienen uns ihrer wieder", erklärt Misa-Michaela Holubova. Verrückter kann eine musikalische Mischung kaum auf die Bühne gebracht werden, und doch klingen das Little Tongue Vibration Orchestra harmonisch und tanzbar.

2004 gründete sich der Kern der Truppe spontan während einer Session auf der Frankfurter Musikmesse. Seit 2007 improvisiert und probt die aktuelle Besetzung miteinander. Das ist immer eine organisatorische Meisterleistung, weil alle verstreut sind und beispielsweise der Tabla-Spieler noch in Holland studiert. Deshalb ähneln Proben einem Workshop: arbeitsintensiv und mehrtägig.

OTZ | 28.10.2008
 
Balkanjazz für den Umweltschutz
istropolis_dancetettMartin Marczinke
Istropolis Dancetett findet sich bei Dia-Reportage
Von Ulrike Kern Auch die fünf Frohnaturen vom Jenaer Istropolis Dancetett haben sich für die Teilnahme am mitteldeutschen Creole-Wettbewerb beworben - und sind ins Finale eingezogen. Mit ihrer Gute-Laune-Musik, einer Mischung aus Balkanfolk, Ska und Jazz, wollen sie die Jury überzeugen.

Dabei gibt es Istropolis Dancetett erst seit 2007, ursprünglich gar nicht unter dem Vorzeichen, als eigenständige Band Musik zu machen. "Vielmehr haben wir 2007 einen Soundtrack zu der Dia-Reportage ´Abenteuer Donau´, die unter anderem in der Jenaer Lichtbildarena und in vielen Donau-Städten gezeigt wurde, zusammengestellt." Dabei rückte die Musik gegenüber der Reportage in den Hintergrund. Zu schade um ihr Kunstwerk, sagten sich die vier Männer und die Sängerin, um fortan losgelöst von allen Verpflichtungen ihre Musik unters Volk zu bringen. Besetzt im Rhythmus mit einem Schlagzeuger und Tuba-Spieler, des weiteren mit einem Gitarristen, Multibläser (Trompete, Saxofon und Flöte) und der Sängerin mischen die Jenenser viele Stilelemente mit deutschen Texten. Und die kritisieren oft die fortschreitende Umweltbebauung, wie ihr Titel "Contra Beton".
Sicherlich dürften Fans von Weltmusik die fünf Anfang-30er von Istropolis Dancetett nicht ganz unbekannt sein, denn alle sind sie Berufsmusiker und in mehreren Projekten eingebunden. Martin Marczinke beispielsweise war schon mehrfach als Gastmusiker am DNT Weimar zu erleben.

OTZ | 28.10.2008
 
Stilistisch auf Wechselkurs
feindrehstar_tiereFriedemann Ziepert
Feindrehstar tritt im Hausclub Kassablanca an
Von Ulrike Kern Am kommenden Wochenende wird im Jenaer Club Kassablanca der Musikwettbewerb "Creole - Weltmusik aus Mitteldeutschland" ausgetragen. Die besten zwei Gruppen qualifizieren sich dort für den Bundeswettbewerb 2009. Unter den zehn Finalisten in Jena sind auch drei mit Ostthüringer Wurzeln.

Dazu gehören die acht Männer von Feindrehstar aus Jena. Die Band entstand 1998 aus Musikern im Dunstkreis des Kassablanca. Seitdem hat sich Besetzung und Stil stetig geändert. "Unseren Ursprung haben wir im Hip Hop. Doch inzwischen lässt sich unsere Musik nicht mehr einem Genre zuordnen", verrät Schlagzeuger Friedemann Ziepert. Feindrehstar stehen vielmehr für live gespielte Clubmusik, die wichtige Elemente aus Hip-Hop, Jazz, House, Funk und Weltmusik herausfiltern und neu kombinieren.

Ein Techniker hinter und sieben Musiker auf der Bühne, alle jenseits der 30, sorgen mit Blas- und Tasteninstrumenten, Trommeln, Bongos, Bass und Turntables für tanzfähige Rhythmen und gute Stimmung in den Clubs ganz Deutschlands und sogar Europas. "Wir treten inzwischen ohne Sänger auf, unsere Musik ist rein instrumental und zum Tanzen angelegt", erklärt Friedemann Ziepert.

Auch nach zehn Jahren wird nach wie vor geprobt - selbst, wenn sich einige jenseits von Thüringen angesiedelt haben. Doch erst beim gemeinsamen Spielen entstehen spontan neue Stücke. Zwei Singles, zwei CDs, Veröffentlichungen auf einer Compilation, ein eigenproduzierter Remix und eine international aufgelegte Dance-Single sind bislang von Feindrehstar erschienen.

OTZ|28.10.2008
 
Die Sieger der creole – Weltmusik aus Mitteldeutschland stehen fest!
Am vergangenen Wochenende fanden zwei spannende Wettbewerbsabende mit zehn Bands um die creole – Weltmusik aus Mitteldeutschland im Kassablanca in Jena statt.
Die Lokalmatadoren lagen am Ende vorn, gemeinsam mit den weit gereisten Dresdnern: Feindrehstar aus Jena und LuaMar aus Dresden heißen die beiden Sieger im Wettbewerb um die creole – Weltmusik aus Mitteldeutschland. Die Gewinner erhalten die mit je 2.000 Euro dotierten Preise sowie eine Einladung für den bundesweiten Wettbewerb creole – Weltmusik aus Deutschland, zu dem auch die Gewinner aus den anderen sieben Regionalwettbewerben im September 2009 in Berlin aufspielen werden.
Infos unter: Creole


Feindrehstar

In der Begründung der Jury überzeugten Feindrehstar durch mitreißenden Groove auf hohem musikalischem Niveau. Das schwer jazzige Oktett aus Jena filtert aus aller Musik, derer es habhaft werden kann, gnadenlos die Essenzen heraus, die ihm schmackhaft erscheinen. Daraus kochen sie dann ihr eigenes Süppchen. Heraus kommt ein Sound, den sie ganz einfach mit HipHop-Jazz-House-Funk-Worldmusic beschreiben. Oder, ganz knackig auf den Punkt gebracht: „Human Jazzhop Palim – organic live pogo with modern technical hip-hop and house roots”. Alles klar? Sie lassen auch die Bezeichnung "Krautclub" gelten. Egal. Das Ganze geht einfach los. Das hat Groove und Feeling und jede Menge jazziger Ecken und Kanten, die hängen bleiben. Feindrehstar versprechen kein abgehobenes Kunsterlebnis, dafür ordentlich Rambazamba: "Bühne frei – Ohren richtig auf – Manege heiß – Publikum los und ab dafür!"



LuaMar

Mit ihrem geheimnisvollen Brasiliengroove bestachen LuaMar die Jury durch herausragende Virtuosität und ihr herausragendes musikalisches Konzept. Ein geradezu klassisches Duo: Bestens geschulter klassischer Gitarrist begleitet brillante Sängerin. Silvio Schneider (bekannt unter anderem vom Gitarrenduo Nassler & Schneider) und Katharina Ahlrichs gehen eine fast symbiotische Beziehung ein, wenn sie ihre verführerischen, mitreißenden, brasilianischen Songs intonieren. Es ist die Magie von Sonne und Strand, Verführung und Leidenschaft. Es ist der Rhythmus von Bossa Nova und Samba, der einen einfach mitnimmt. Katharina Ahlrichs weiß und fühlt sehr genau, was sie da singt, sie hat zwei Jahre in Brasilien gelebt und spricht fließend portugiesisch. Teilweise singt sie auch deutsche Texte – eine durchaus eigenwillige Mischung von exotischem Reiz.



>>Pressemitteilung des Arbeitskreises creole Mitteldeutschland


 www.creole.de
 
 
 
 
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