Nicht nur strafen – Flächen anbieten
1. Graffiti-Symposium in Bad Salzungen: Gute Resonanz und viele Ideen

Boris Bouchon aus Kassel, 33 Jahre, Mitglied des Beirates der 12. Documenta, anerkannter Kenner der Graffiti-Szene, plädierte beim 1. Graffiti-Symposium in Bad Salzungen für eine Zusammenarbeit mit der Szene. Die Entwicklungen in Berlin und anderen Großstädten, auch die in Kassel hätten gezeigt, dass ausschließlich Repressalien gegen die Sprayer das Gegenteil zur Folge haben. Die Aggressivität wachse, die Zahl der illegalen Schmierereien nehme zu.

Bouchon warnte vor der Illusion, alle Sprayer erreichen zu können. Es werde immer welche geben, die illegal malen. Er warnte aber auch davor, die Szene zu kriminalisieren und zu radikalisieren. Wer von Farb-Terrorismus spreche, müsse sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern. Sprayer, so Bouchon, entwickeln bei der Gestaltung ihrer Bilder mit der eigens für sie typischen Schrift eine ungeheure kreative Energie, die es in die richtigen Bahnen zu lenken gelte.

Kreisbeigeordnete Claudia Döring, bei der sich in den Jahren ihrer Arbeit in Bad Salzungen „eine Graffiti-Allergie entwickelt hat“, widerspricht Bouchon. Sie brauche kein szenespezifisches Wissen. Ihr reiche es, wenn die Graffiti-Sprayer, das Recht der anderen, sprich der Eigentümer, akzeptieren. Sie forderte die Bürger auf, nicht wegzusehen, damit die Täter auf frischer Tat ertappt werden können. Bad Salzungens Bürgermeister Klaus Bohl, der gleichzeitig Vorsitzender des Vereins „Bad Salzunger Bürger gegen illegale Graffiti“ ist, sieht drei Säulen der Prävention: entschlossenes Handeln von Polizei und Justiz, Säubern der Wände innerhalb von 24 Stunden, Projekte an Schulen und die Bereitstellung legaler Flächen.

 
 
 
 
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