Museen: >>Wir brauchen Geld!<<
Kultus-Staatssekretär sieht das Engagement vor Ort als entscheidend an

Bis jetzt sind alle seine Rufe verhallt. Doch der Thüringer Museumsverband wird nicht müde, vom Freistaat mehr Geld für die Museen zu fordern. Zur Jahreshauptversammlung in Creuzburg bekräftigte der alte und neue Vorsitzende Günter Schuchardt, dass sich viele Museen am Rand der Handlungsfähigkeit bewegen.

Es klingt erstmal großzügig. Thüringen will seine Projektförderung für die Museen des Freistaats in den Jahren 2008 und 2009 gegenüber 2007 fast verdoppeln: Von heuer 150 000 Euro auf 285 000 Euro. So zumindest steht es im Haushaltsentwurf, wie das Kultusministerium mitteilt. Die hiesigen Museumsmacher können sich über diese Ankündigung allerdings nur sehr verhalten freuen.

Für sie ist die angekündigte Erhöhung kaum mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Mussten doch die Museen zuletzt immer wieder Federn lassen. Stellte ihnen der Freistaat 2005 insgesamt noch 8,3 Millionen Euro zur Verfügung, waren es im Jahr darauf nur noch 6,6 Millionen Euro. An dieser Gesamtsumme hält auch der neue Haushaltsentwurf fest.

Und, sagt der Verband: Die vorgesehenen 285 000 Euro für die Projektförderung unterbietet den tatsächlichen Bedarf noch immer bei weitem. In diesem Jahr hatten die Museen für Sonderausstellungen, Restaurierungen von Ausstellungsobjekten oder ähnlichem eine halbe Million Euro beantragt. Davon konnte nicht einmal ein Drittel bewilligt werden.

Die Klagen des gestern wiedergewählten Vorsitzenden Günter Schuchardt gewinnen an Gewicht, wenn man sich die Fakten vor Augen führt. Denn die Museumsförderung beträgt nur einen Bruchteil der Summe, den der Freistaat für Orchester und Theater ausgibt. Und das, obwohl die Museen mit zuletzt 3,7 Millionen Besuchern im Jahr deutlich mehr Publikumszuspruch erfahren als die Theater und Orchester mit 800 000.

Folge der knappen Kassen: Verkürzte Öffnungszeiten, wenig museumspädagogische Angebote, kaum Mittel für Sonderausstellungen, sinkende Besucherzahlen. Exponate dümpeln vor sich hin, weil niemand deren Restaurierung bezahlen kann. Schuchardt: „Wir haben Stadtmuseen, die schon ihr 100-jähriges Bestehen feierten, aber noch nie so gefährdet waren wie heute.“

Von einer „Schieflage des Kulturhaushalts“ spricht Schuchardt, will aber den Theatern nichts wegnehmen. Er fordert von der Landesregierung, den Kulturetat zu erhöhen. „Die festgeschriebenen 1,3 Prozent am Landeshaushalt sind zu wenig, um die Kulturlandschaft in Thüringen zu erhalten“, begründet er.

Doch die Signale aus der Landesregierung klingen erwartungsgemäß nicht danach, auf diese Forderung einzugehen. Walter Bauer-Wabnegg, Staatssekretär im Kultusministerium, verlegt sich auf Schulterklopfen und darauf, Balsam auf die Seelen der Museumsleute zu schmieren. Geld sei nicht immer entscheidend, wie die Klassik-Stiftung Weimar zeige. Die ist finanziell in der Tat üppig ausgestattet, verzeichnete 2006 aber einen überproportional hohen Besucherrückgang.

Doch die Thüringer Museen, betont der Politiker, seien „fester Bestandteil des Kulturlandes Thüringen“ und leisten „ganz hervorragende Arbeit“. Vor allem für die, die sonst oft am Rand der Wahrnehmung stehen, hat Bauer-Wabnegg viel Lob parat: „Mir kommt es darauf an, dass so viele kleine und mittlere Museen so lebendig mit dabei sind. Nicht nur die großen, sondern die vielen kleinen Museen prägen unsere kulturelle Dichte.“

Um dieses Potenzial zu erhalten, sei Engagement vor Ort entscheidend: „Für die Inhalte sind die Häuser zuständig. Schlimmer als kein Geld wäre, wenn die Museumsmitarbeiter frustriert auf Arbeit gehen würden anstatt mit Freude. Aber so ist es nicht.“

Bei so süßem Honig kann selbst der Museumsverband nicht widerstehen. Natürlich seien die Mitarbeiter mit Freude bei der Arbeit, nickt Vorstandsmitglied Veronika Jung vom Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg: „Es sind Idealisten. Bei den Überstunden ist das auch bitter nötig.“

 
 
 
 
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