Rückblick - Meine Kultur Traumtouren
Meine Kultur_kVom 15. bis zum 29. August 2009 veranstaltete die LAG Soziokultur Thüringen e. V. die Aktionswochen für Soziokultur in Thüringen.
Mit drei besonderen Kulturentdeckungsreisen, den Meine Kultur – Traumtouren machten erstmalig zahlreiche Mitglieder des Landesverbandes und Künstler die Vielfalt und Buntheit der Thüringer (sozio)kulturellen Szene authentisch und erlebnisreich im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar. Jenseits der üblichen Kulturpfade ging es mit einem Nostalgiebus quer durch Thüringen. Besucht wurden verschiedene Orte, Einrichtungen und Projekte soziokulturellen Schaffens im Osten, im Norden und im Zentrum Thüringens.
Kultur, genauer Soziokultur, war für die Passagiere des Reisbusses auch während der Touren angesagt. So standen die Touren jeweils unter einem eigenen Motto, die unterwegs mit theatralischen und musikalischen Akzenten auf originelle Art und Weise in Szene gesetzt wurden. Die Reisenden wurden selbst aktiv und ließen die Reisen und Stationen in einem neuen Licht erscheinen.

Die erste Kultur-Traumtour startete am 15. August 2009. In 780 Minuten ging es mit »Bewegung & Spiel« von Weimar über Gera, Zickra und Greiz, in den Osten Thüringens. Station machte der Bus im Sächsischen Bahnhof in Gera, wo beim höfischen Empfang auf dem Bahnsteig verschiedene Kulturen aufeinandertrafen. Eine Schalmeinenkapelle an einem Ort, wo sonst eher Punk und Ska aus den Boxen dröhnt war schon etwas Besonderes und bot Diskussionsstoff. Im Kulturhof des 80-Seelendorfes Zickra, erhielt die Reisgruppe Einblicke in die Zauberwelten von Kunst- und Handwerk bevor ein eigenes improvisiertes Theaterstück aufgeführt wurde. Die »Alte Papierfabrik Greiz« öffnete für uns ihre kulturellen Labor- und Experimentierräume. Besonders beeindruckte der Besuch des Fotografie- und Ausstellungsprojekts „Zukunft braucht Herkunft“ in der ehemaligen Milchbar der Stadt. 11 Greizer Jugendliche, im Alter von 18 bis 27, haben sich im Rahmen des Projektes zum ersten Mal in ihrem Leben bewusst mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigt. Für die Präsentation der Ergebnisse wurde ein leerstehendes Stadthaus in der Innenstadt zum Ausstellungsort. Zum Abschluss des Tages überraschte der Greizer Theaterherbst – eines der größten soziokulturellen Projekte im Osten Thüringens - mit Tanztheater und Performance aus dem Programm „Glaube! Liebe! Hoffnung!“ und gaben Einblicke in die Werkstattarbeit für den 18. Greizer Theaterherbst im September.




Am 22. August reisten wir einen ganzen Tag lang mit »Musik & Klang« in den Norden Thüringens. Im Jugendclubhaus in Nordhausen entdeckten wir spannende Musikkulturen von Rock bis Folk und wurden aus dem Wunderkessel kulinarisch verwöhnt. Der Abschluss des Aufenthaltes in Nordhausen war interkulturell. Gemeinsam mit Wayne Vandall vom Stamm der Lakota (Medicine Bridge), bauten wir eine tanzende interkulturelle Brücke zur indianischen Kultur. Die Tour begleitete unser Klangmeister Andreas Schulze und er weihte uns mit seinem Taktstock in die Geheimnisse von »Musik mit Geschmack« ein. Unterwegs entstanden in der Klangoase Straußfurt aus Gemüse Instrumente, wie das Gurkophon, der Melobass oder die Paprikatröte. Erweitert um Küchen(klang)Instrumente wie Reibe, Eierschneider und Holzlöffel formte sich das erste »Meine-Kultur-Gemüseorchester«. In einer spannenden Mischung aus Performance und Konzert präsentierte es im „Kunsthof“ Friedrichsrode die Ergebnisse.




Die letzte Tour, am 29. August führte unter dem Motto »Bild & Raum« in die Impulsregion Thüringens nach Erfurt, Weimar und Jena und widmete sich den modernen Ausdrucksformen im öffentlichen Raum. Performance und Kunst zum Anfassen und Mitmachen standen im Mittelpunkt. Zu erleben war ein »Kunstpiknik« mit dem jungen Aktionskünstler Benedikt Braun im Kunsthaus Erfurt, der den Reisenden ein etwas anderes Morgenmahl bereitete. Auf dem Weg von Erfurt nach Jena stimmte uns MC Malik rappend auf die Graffiti-Jam im Kassablanca Jena ein. Dort trafen wir Crews, Heads aus der ganzen Republik, konnten selbst sprayen oder tagen sowie den Breakdancern der Bewegungsküche aus Jena über die Schulter schauen. Die geführte Graffiti-Streetart-Wanderung mit Lucian Patermann durch die Wandlandschaften der Stadt Weimar, gewährte Einblicke in das globale Phänomen von Graffiti und Streetart und gab Anlass für eine lebhafte Diskussion rund um das Thema bis die Tour im Gaswerk Weimar endete.






Zugegeben, stillgelegte Bahnhöfe, ehemalige Bauern- bzw. Forstgehöfte oder der Vorplatz eines Theaters sind nicht gerade Ziele, mit denen man in einem Reiseprospekt werben würde, doch genau das war das Besondere der Touren.
Mit den Aktionstagen und speziell mit den diesjährigen Touren wollten wir diese Zauberer und Visionäre, die jeden Tag aufs Neue Kulturträume wahr werden lassen, einer größeren Öffentlichkeit präsentieren und gleichzeitig mit Aufklärungsarbeit zum Prinzip Soziokultur verbinden. Letztlich ging es mit Touren und dessen Programm um Vernetzung, durch gegenseitiges Kennenlernen der verschiedenen Kulturschaffenden und Austausch von Erfahrungen.
Die vielen positive Rückmeldungen und neuen Partnerschaften, die während des Projektes entstanden sind, zeigen, dass die Touren ein gelungener Auftakt waren der genügend Potenzial für eine Fortsetzung bieten.



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Rückblick: Abschlussveranstaltung Meine Kultur - Mein Traum
Ausklang, und gleichzeitiger Höhepunkt der Aktionswochen, war die Abschlussfeier Meine Kultur – Mein Traum im Gaswerk Weimar, in dessen Rahmen der KulturRiese – Förderpreis der Soziokultur in Thüringen zum zweiten Mal vergeben wurde.
Der Veranstaltungsort im Gaswerk wurde zum alternativen Kulturhimmel. Das Außengelände des Veranstaltungsortes war an traumhaften Projektionen auf den wilden Wiesen zu erkennen. Sie begleiten den Besucher und die Preisträger in die Innenräume – den eigentlichen Ort des Geschehens. Trat man über die Türschwelle, eröffneten sich neue Welten – Traumwelten. Hunderte Luftballons holten den Himmel auf die Erde und ein mit Styropor gestalteter Raum diente als Sujet und Projektionsfläche für Gedanken, Bilder und Ideen.
„Mein Traum“ konnte beginnen.
Erster Höhepunkt an diesem Abend war die Übergabe des KulturRiesen-Staffelstabes an die in diesem Jahr Ausgezeichneten durch die Macher des Literatur- und Stadtmagazins hEFt, die letztjährigen Preisträger. Erstmalig wurde der KulturRiese, Förderpreis der Soziokultur in Thüringen doppelt vergeben. Er ging an den „art der Stadt e. V.“ aus Gotha und das Zirkusfestival „Omarillio“ aus Weimar.
Besonders freuten wir uns, zu diesem Anlass, über die Gäste aus dem Thüringer Kultusministerium, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur aus Brandenburg und die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Frau Dr. Jochimsen (MdB).
Im zweiten Veranstaltungsteil zeigte das D.A.S. Jugendtheater e. V. Etüden der Inszenierung m o r F – einer experimentellen Symbiose aus Performance, Schauspiel, Live-Musik und Videoinstallation. Der Leipziger DJ D´Dread vertonte oder besser elektronisierte Stummfilme der 1920er Jahre. Die Fotografin Evi Lemberger präsentierte in der Fotoausstellung „Between then and now” Heimatbilder aus dem bayrischem Wald und Lucian Patermann näherte sich in der Installation “Baumbau zu Babel” dem Wechselspiel zwischen Natur und Kultur.
Zum Abschluss begeisterten feindrehstar aus Jena die 200 Besucher mit „organic live pogo with modern technical hiphop and house roots“ und brachten das Gaswerk zum wackeln.
Traum und Wirklichkeit verschwammen in den Abendstunden.



 
 
 
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